11.06.2019 /

Die Chancen der Digitalisierung in der Healthcare-Branche

Lesezeit ca. 5 min

Die Vernetzung von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pharmaunternehmen ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Angefangen bei mobilen Diagnostik-Tools über medizinische Tracking-Sensoren bis hin zur Online-Sprechstunde – die digitalen Helfer kommen in jedem medizinischen Bereich zum Einsatz. Insbesondere Ärzte stehen der Digitalisierung des Gesundheitswesens positiv gegenüber, 62 Prozent aller befragten Mediziner des Digitalisierungsreports 2019 sind dazu bereit, Patienten zunächst über Telefon, Chat oder Videokonferenz zu beraten, bevor über weitere Versorgungsmöglichkeiten entschieden wird. Die Erkrankten greifen wiederum vermehrt auf Dr. Google zurück, bevor konkret Arzttermine vereinbart werden. Für die Akteure im Gesundheitsmarkt stellt der digitale Wandel eine Möglichkeit dar, sich persönlich und dennoch ortsunabhängig über Therapieformen und Forschungsergebnisse auszutauschen.

 

Der digitale Wegweiser zur richtigen Diagnose

Der moderne Patient von heute beruft sich längst nicht mehr nur auf das Urteil des Hausarztes. Informationen zu Symptomatik, Diagnose und Heilungsansätzen werden durch Google ermittelt, eigenmächtige Therapieentscheidungen werden immer öfter zur Regel statt zur Ausnahme. Anreize zur Selbstversorgung gibt es dabei genug: Health-Apps, Chatbots, Gesundheitsforen, aber auch Tech-Gadgets wie Smartwatches geben oftmals schneller Auskunft als der traditionelle Praxisbesuch. So hat beispielsweise Branchenführer Apple angekündigt, dass die neue Generation an iWatches bestimmte Herzrhythmusstörungen erkennen kann. Auch wenn eigenmächtige Therapieentscheidungen immer Risiken bergen, grundsätzlich ist eine Beteiligung des Patienten wünschenswert. Durch die Bereitschaft, sich selbst über die Erkrankung zu informieren, kann eine Diagnose durch den Arzt frühzeitig gestellt werden. Auch die Recherchen zu Symptomen und Krankheitsverläufen geben Patienten oftmals den ersten Anreiz, zur Untersuchung in die Praxis zu gehen. Auf der einen Seite kommt die Informationsflut mit erhöhten Heilchancen einher, andererseits können vage Krankheitsbilder auch in die Irre führen. Gerade in Internetforen tummeln sich so einige Ratgeber, die nicht auf qualifiziertem Fachwissen basieren. Healthcare-Professionals sind deshalb mehr denn je auf die Informationen zu Forschungsergebnissen und neuen Therapieansätzen angewiesen, um ein fundiertes Gegengewicht zum gefährlichen Halbwissen der Betroffenen zu schaffen.

 

Fachwissen teilen: Digitalisierung schafft neue Einblicke

Vor-Ort-Gespräche zwischen Pharmaunternehmen und Healthcare-Professionals reichen oftmals nicht aus, um der nötigen Informationspflicht gerecht zu werden. Um den Zugang zu verifizierten Daten und Auskünften auf beiden Seiten zu erleichtern, kommen digitale Kanäle ins Spiel. Egal ob per Newsletter oder in HCP-Portalen, die Plattformen ermöglichen es Medizinern, sich schnell und umfassend zu informieren – und das stets zu dem Zeitpunkt, der für sie im stressigen Praxisalltag am besten passt. Auch virtuelle Ärztenetzwerke bieten neue Möglichkeiten, Fachwissen zu teilen. Im Dialog mit Kollegen können Patientenfälle diskutiert und online zweite Meinungen eingeholt werden. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten bieten die ideale Grundlage, um Patienten fachlich wie auch emotional abzuholen. Wenn verschiedene evidenzbasierte Behandlungsmethoden existieren, können Mediziner und Patienten gemeinsam Therapieentscheidungen besprechen und letztendlich den besten Weg auswählen. Wichtig hierbei: Die Vorinformation des Patienten sollte begrüßt und alle bestehenden Therapieformen sollten mit ihm besprochen werden. Auf diese Weise entsteht ein größeres Vertrauen in das Know-how des Healthcare-Professionals und Patienten sind in die gewählte Therapieform von Anfang an involviert.

 

Helfer in der Not: Patientenmanagement-Programme

Patientenmanagement-Programme (PMP) sind nur eines von vielen Beispielen erfolgreicher Digitalisierung. Sie schließen die Lücke zwischen Patienten und Arzt, wenn die Therapieform erst einmal festgelegt ist. Eine durchgängige Begleitung ist bei der Behandlung unentbehrlich. Sind Patienten nämlich auf sich allein gestellt, so neigen diese dazu, Therapieansätze auf Grundlage eigener Recherche zu hinterfragen und begonnene Therapien schlimmstenfalls eigenmächtig abzubrechen. Das kann schwere Folgen haben. Ein besonders eindrückliches Beispiel bieten erfolgreiche Organtransplantationen. Nach langer schwerer Krankheit stellt sich nach dem Eingriff meist schnell eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands des Patienten ein, er fühlt sich gesund. Beendet er jedoch eigenmächtig die nötige dauerhafte Anschlusstherapie, kann dies dramatische Folgen bis hin zum Tod haben. PMP stehen Erkrankten persönlich wie auch digital zur Seite, wie es kein Mediziner im angespannten Praxisalltag leisten kann. Sie schaffen damit ein Gegengewicht zu den nicht verifizierten und mitunter widersprüchlichen Informationen aus dem Netz. PMP bieten daher eine neue Chance für alle Akteure des Gesundheitssystems, indem sie aktiv dazu beitragen, dass notwendige Therapien auch umgesetzt werden.

 

Nur einen Klick entfernt – das digitale Gespräch

Egal wie digital die Welt wird, weder das sensible Arzt-Patienten-Gespräch noch die Pharmakommunikation werden jemals ohne persönlichen Kontakt auskommen. Es besteht jedoch die Chance, Gespräche flexibler, ortsunabhängig und effizienter zu gestalten. Per Videokommunikation über Dienste wie room49 kann die so nötige persönliche Interaktion in die digitale Welt gehoben werden. Die Gesprächspartner treffen hier nicht in der Realität, sondern in einem geschützten virtuellen Raum aufeinander. Dabei werden sämtliche Zusatzinformationen wie Studienergebnisse oder Anwendungshilfen direkt am Bildschirm verfügbar. Der große Vorteil: Gespräche finden unabhängig von Ort und gängigen Praxiszeiten ganz flexibel und individuell statt. Gerade Patienten in ländlichen Regionen, wo die Zahl der Fachärzte stetig sinkt, erhalten durch die digitale Sprechstunde Zugang zu qualifizierten Informationen und Einschätzungen zu Beschwerden. Der Mediziner ist immer nur einen Klick entfernt. Aber auch die Pharmakommunikation profitiert von den Chancen der Videotelefonie. Kommt beispielsweise eine neue Generation Kopfschmerzmittel auf den Markt, die eine völlig neuartige Therapieoption für Menschen mit Migräne und Clusterkopfschmerz bietet, ist das Informieren aller relevanten HCPs unabdingbar. Wichtig hierbei: Healthcare-Professionals beschaffen sich die nötigen Informationen stets zu ihren eigenen Konditionen. Sie entscheiden, wann ein Gespräch passt, und steuern den Verlauf über das smarte System aktiv mit. So erhalten sie in nur einer Konversation mit einem Pharmareferenten alle Informationen, die sie für ihren individuellen Praxisablauf und die Patientenkommunikation benötigen.

Fazit

Egal ob Pharmareferent, Mediziner oder Patient – die Digitalisierung bietet Verbesserungen für alle Akteure des Gesundheitssystems. Die Beteiligten müssen sich dabei natürlich auf die neuen Möglichkeiten sowie ihre neuen Rollen in der Zusammenarbeit miteinander einlassen, um das Maximum aus der digitalen Transformation herauszuholen. Wichtig bleibt außerdem, alle neuen Kanäle und Tools stets kritisch zu bewerten und ihren Nutzen abzuwägen. Zu guter Letzt ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ein gewissenhafter und datenschutzkonformer Umgang mit den sensiblen Gesundheitsdaten. Das Ziel der Digitalisierung bleibt dabei stets, zu einer noch besseren Versorgung von Patienten beizutragen. Auf dieser Basis wird letztendlich auch das empfindliche Gefüge zwischen allen Beteiligten des Gesundheitssystems langfristig enorm gestärkt.

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