16.04.2020 /

E-Health-Trends 2020: Die ganzheitliche Digitalisierung des Arztbesuches

Lesezeit ca. 4 min

Die Digitalisierung hält längst Einzug in das Gesundheitssystem. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2019 von DocCheck, ist für die Mehrheit der Ärzte digitaler Content und der Austausch über digitale Kanäle genauso wichtig wie beispielsweise die Weiterbildung mithilfe von Fachmagazinen oder dem kollegialen Austausch. Dabei setzen 96 Prozent auf Internet-Fachportale und 88 Prozent auf Newsletter als Informationsquelle. Auch digitale Gadgets sind heutzutage sowohl im Praxisalltag als auch im Privaten unter Ärzten nicht mehr wegzudenken. So verbringen beispielsweise Allgemeinmediziner ca. drei Stunden aktiv am Laptop oder PC und sind sogar knapp sechs Stunden am Rechner erreichbar ­– via Smartphone sogar über 12 Stunden. Gleichzeitig steht Healthcare-Professionals und Pharma heute aber auch ein informierter, mündiger Patient gegenüber, der Diagnosen hinterfragt und mitunter eigenmächtig Therapieentscheidungen basierend auf einer Internetrecherche trifft. Deshalb ist es wichtiger denn je, neue Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen und die Kommunikation zwischen allen Parteien dahingehend zu optimieren, um auch in Zukunft Therapieerfolge sichern zu können.

 

Die digitale Sprechstunde: Online-Diagnose auf Distanz zur Entlastung der Arztpraxen

Überfüllte Arztpraxen und lange Wartezeiten gehören leider oft zum Alltag und belasten sowohl Patienten als auch Mediziner gleichermaßen. So verbringen 30 Prozent der Patienten derzeit laut dem samedi Digitalisierungsreport zwischen 30 bis 60 Minuten im Wartezimmer. Knapp die Hälfte ist damit unzufrieden. Dieses Problem soll nun bald der Vergangenheit angehören. Patienten haben in Zukunft die Möglichkeit sich bei einer Erkältung, Magen-Darm oder anderen minderschweren Krankheiten den Weg in die Arztpraxen zu ersparen und eine digitale Sprechstunde wahrzunehmen. So hat der Bundestag Ende letzten Jahres den Entwurf der Bundesregierung für das „Digitale-Versorgung-Gesetz“, kurz DVG, angenommen. Die neue Regelung macht das Konzept der Telemedizin offiziell zulässig und entlastet die Arztpraxen damit enorm. So werden aktuell schon Schlaganfallpatienten in mehreren Bundesländern mithilfe von Tele-Stroke-Units behandelt, wenn keine reguläre Stroke-Unit in erreichbarer Nähe ist. Auch eine Online-Diagnose auf Distanz ist dabei bereits möglich. Weniger Patienten im Wartezimmer bedeutet dabei gleichermaßen sowohl eine bessere Betreuung und Begleitung dringenderer Fälle als auch chronisch Kranker. Dank der Telemedizin könnte in Zukunft insbesondere so die fachärztliche Versorgung auf dem Land deutlich verbessert, aber eben auch generell der Arztbesuch für Berufstätige vereinfacht und die Kommunikation zwischen beiden Parteien gestärkt werden.

 

Die digitale Patientenakte: Krankheitsgeschichte auf Abruf für Kommunikation in Echtzeit

Mit dem Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes, der vom Bundestag am 14. März 2019 beschlossen wurde, sind Krankenkassen nun verpflichtet, ab dem 1. Januar 2021 ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe der elektronischen Gesundheitskarte können Patienten dann ihre gesamte medizinische Historie, wie Befunde, Arzttermine, Medikamenteneinnahme und Röntgenbilder, sicher online speichern. Auf eigenen Wunsch sind diese Daten übermittelbar und ermöglichen so einen Austausch in Echtzeit, wobei aktuelle Werte wie der Blutdruck direkt an den Arzt weitergeleitet werden können. Somit kommt ein ständiger Dialog zwischen beiden Parteien zustande. Zudem kann diese effiziente bzw. zeitsparende Kommunikation auch zu einem besseren Informationsaustausch unter den Medizinern selbst beitragen und optimiert zugleich die Patientenbetreuung. Laut samedi-Umfrage, wären sogar 86 Prozent der Befragten schon derzeit bereit Gesundheitsdaten mit ihren Ärzten zu teilen. 37 Prozent der teilungswilligen Nutzer gaben jedoch an, dass ihre Praxis solche Daten noch nicht digital verarbeiten könnte. Nichtsdestotrotz ist die Bereitschaft da und das Potenzial groß, um Abläufe zu beschleunigen und ein ganzheitliches Gesundheitsbild zu ermöglichen.

Patienten sollen so künftig ihre Daten auch außerhalb der Arztpraxis eigenständig einsehen können, um über ihre Diagnose bzw. Medikation den Überblick behalten und Therapien zur Steigerung der Adhärenz so besser umsetzen zu können.

 

Die E-Krankschreibung und das E-Rezept: Mobil, direkt und sicher

Ein weiterer E-Health-Trend, der an den digitalen Arztbesuch anschließt, ist die elektronische Krankschreibung. Ab 2021 kann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von der Krankenkasse auch online übermittelt bzw. vom Arbeitgeber abgerufen werden. Dabei entfällt für die Arbeitnehmer die Vorlage-, nicht jedoch aber die Meldepflicht. Zudem sind seit 2019 für eine ganzheitliche Digitalisierung des Arztbesuches beispielsweise auch E-Rezepte im Gesundheitswesen gesetzlich gestattet. Im Rahmen eines Modellprojekts werden bis zum 30. Juni 2020 nun auch die technischen Festlegungen hierfür getroffen. Das elektronische Rezept soll dabei sicherer sein und zur Verbesserung der Adhärenz beitragen. Wichtig ist jedoch die nahtlose Speicherung auf der elektronischen Gesundheitskarte in Verbindung mit einem Medikationsplans zu Verhinderung von Wechselwirkungen. So sind Patienten bei der Medikamenteneinnahme nicht mehr auf sich allein gestellt und werden sogar daran erinnert. Die Kommunikation von Arzt und Patient verschiebt sich demnach mehr und mehr in den digitalen Raum.

Fazit

Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche wird in Deutschland von der Politik aktiv unterstützt. Auch wenn wir uns derzeit noch in der Entwicklungsphase befinden, geht die Tendenz in die richtige Richtung und bringt viele Vorteile für Patienten aber auch Ärzte mit sich. Der Arztbesuch selbst, aber eben auch die Kommunikation zwischen allen Beteiligten, wird so in den nächsten Jahren mobiler, direkter und sicherer.

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