15.01.2020 /

Hilfe für Patienten und HCPs

Wie Therapien durch Patientenmanagement-Programme zum Erfolg werden
Lesezeit ca. 5 min

Menschen mit gesundheitlichen Problemen haben es hierzulande immer schwerer, eine ausreichende und vollumfassende medizinische Betreuung zu bekommen. Zwar gehört das deutsche Gesundheitssystem laut dem repräsentativen Healthcare Barometer zu den drei besten der Welt, doch machen Pflege- und Ärztemangel Patienten und HCPs gleichermaßen zu schaffen. Häufig müssen Erkrankte tage- bis wochenlang auf einen Termin warten, besonders auf dem Land ist der Mangel an niedergelassenen Ärzten deutlich spürbar. Das führt nicht selten dazu, dass die verbliebenen Arztpraxen das Patientenaufkommen kaum bewältigen können. Volle Wartezimmer, lange Wartezeiten und kurze Gespräche im Behandlungszimmer sind oft die Folgen. Laut Healthcare Barometer geben ganze 45 Prozent der Befragten an, dass sich ihr Arzt zu wenig Zeit für sie nimmt. Gleichzeitig empfinden 70 Prozent der Healthcare Professionals, unabhängig vom Fachgebiet, den Zeitdruck im Praxisalltag als hoch oder sehr hoch. Dabei wird klar: Unter diesem Mangel an Zeit leidet auch die Qualität der Behandlung. Das zumindest geben 96 Prozent der Mediziner in einer aktuellen Umfrage des Ärzte-Netzwerks Colloquio an. Kein Wunder, bleibt doch bei einer durchschnittlichen Anzahl von 33 Patienten pro Tag für jedes einzelne Gespräch gerade einmal ein Zeitfenster von rund sieben bis 15 Minuten. Besonders negativ wirkt sich dieser Umstand auf chronisch Erkrankte und Menschen, die nach einem langen Leidensweg einen lebensverändernden Befund bekommen haben, aus, denn sind Medikation und Therapieplan erst einmal festgelegt, müssen sich die Patienten größtenteils selbst organisieren. Damit Betroffene in dieser Phase der Behandlung dennoch Unterstützung und Hilfe bekommen und ihre Ängste und Nöte ernst genommen sehen, braucht es Patientenmanagement-Programme. Warum diese einen unverzichtbaren Baustein im Gesundheitssystem darstellen, lesen Sie hier

 

Nach der lebensverändernden Diagnose: Wie Patientenmanagement-Programme auffangen

Im Bereich Multipler Sklerose (MS), einer Autoimmunerkrankung, gibt es noch immer viel Irrglauben. So ist beispielsweise die landläufige Meinung, dass Menschen mit MS früher oder später immer im Rollstuhl landen und stark bewegungseingeschränkt sind. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar, doch es gibt gute Therapien, die den Krankheitsverlauf stark verlangsamen und den Patienten so viel Lebensqualität schenken können. Dennoch ist MS wie viele andere Krankheiten eine lebensverändernde Diagnose, die Betroffene im ersten Schritt mit vielen Ängsten und Fragen konfrontiert. Der Arzt hat im angespannten Praxisablauf wenig Möglichkeiten, Patienten hier ausführlich zu beraten. Patientenbetreuungsprogramme springen ein und schenken Erkrankten das offene Ohr, das sie nach ihrer Diagnose verdienen. Sie fangen auf, hören ihnen zu und klären dann Schritt für Schritt ihre Fragen und Sorgen. Nur wenn sie verstehen, was der Befund für sie bedeutet, gewinnen sie Vertrauen in die mit dem Arzt vereinbarte Therapie und sind bereit, sich dem Leben mit Medikamenten zu stellen.

 

Begleiten und Vertrauen stärken: Für eine langfristig erfolgreiche Therapie

Für viele Krankheiten gibt es heutzutage erfolgversprechende Therapien, die die Lebensqualität der Betroffenen teils extrem verbessern können – und das so weit, dass Patienten mitunter jahrzehntelang beschwerdefrei leben können. Hierfür müssen die entsprechenden Medikamente jedoch nicht nur regelmäßig, sondern auch richtig eingenommen werden. Gerade bei Injektionstherapien, also der eigenständigen Verabreichung von Arzneimitteln durch Spritzen, müssen Erkrankte erst lernen, die Injektionen richtig zu setzen. Hinzu kommt eine gewisse Hemmschwelle, sich selbst zu spritzen. Die Nurses hinter den Patientenbetreuungsprogrammen spüren genau diese Hürden im Gespräch auf und beauftragen bei Bedarf Fachberater, die die Therapie gemeinsam mit dem Patienten anstoßen und nötige Handgriffe vermitteln. Damit ist die Arbeit jedoch nicht getan. Sie bleiben an der Seite der Erkrankten und erkundigen sich in regelmäßigen Abständen über den Therapieverlauf. Das ist besonders relevant bei kognitiv eingeschränkten Patienten, aber auch Menschen in Schichtarbeit oder Alleinlebende neigen dazu, ihre Medikamente zu vergessen. Zudem helfen die qualifizierten Pflegekräfte, das Vertrauen in die Therapie zu stärken. Denn: Betroffene tendieren dazu, Therapieentscheidungen mitunter ohne medizinische Beratung zu fällen. Schlägt die Therapie gut an und sind damit auch die Symptome verschwunden, kommt es vor, dass Patienten Medikamente kurzerhand eigenmächtig absetzen. Gleiches gilt, wenn sich trotz Medikation eine Verschlechterung einstellt. Patientenbetreuungsprogramme klären diese Unsicherheiten auf und können Betroffene so dabei unterstützen, die Therapie erfolgreich und langfristig umzusetzen.

 

Zeit für Sorgen und Wünsche: Neue Chance für Pflegekräfte

Neben dem Ärztemangel herrscht in Deutschland auch ein akuter Pflegenotstand. Das belastet nicht nur die Patienten, sondern auch die Pflegekräfte enorm. Bei einem immer größeren Arbeitspensum bleibt am Ende kaum Zeit für den einzelnen Pflegebedürftigen – eine Situation, die viele Pfleger zusätzlich zur extremen Arbeitsbelastung stark frustriert. Haben sie den Beruf doch als Berufung gewählt, um hilfsbedürftige Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen, verkommt der Job in der Praxis oft zur Fließbandarbeit. Patientenbetreuungsprogramme bieten hier eine Chance für ausgebildete Pflegekräfte, ihrer Leidenschaft in neuem Rahmen nachzugehen. Anders als im stationären oder mobilen Pflegebereich, bieten Betreuungsprogramme die nötige Zeit, auf die Bedürfnisse, Sorgen und Wünsche der Patienten einzugehen.

Fazit

Für die fachliche und seelische Betreuung unverzichtbar

In einem Gesundheitssystem, das durch Ärztemangel, Pflegenotstand und Überalterung geprägt ist, schließen Patientenmanagement-Programme eine klaffende Lücke zwischen Medizin und Patienten. Sie arbeiten ergänzend zur medizinischen Versorgung durch den Arzt und unterstützen Betroffene nicht nur fachlich, sondern auch seelisch bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Therapie. Damit werden sie zu einem unverzichtbaren Baustein, der jedem Patienten zur Verfügung stehen sollte.

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