03.02.2022 /

Pharmamarketing für seltene Erkrankungen: Aufklärung statt „Werbung“

Lesezeit ca. 5 min

Betroffene von seltenen Krankheiten leiden häufig gleich mehrfach: Neben der Erkrankung an sich ist viel zu oft die Studienlage schlecht, der Informationsfluss dementsprechend schleppend und die Behandlung weniger erfolgversprechend. Dabei sind von den sogenannten Orphan Diseases laut dem Bundesministerium für Gesundheit allein in Deutschland etwa 4 Millionen Menschen betroffen! Trotz der im Verhältnis hohen Inzidenz bezogen auf die Gesamtbevölkerung, bezieht sich diese Zahl auf etwa 6.000 verschiedene Erkrankungen. Keine leichte Ausgangslage für alle Beteiligten. Pharma kann und muss hier unterstützen. Denn es gilt Awareness für seltene Erkrankungen, aber eben auch Orphan Drugs und Spezialtherapien zu schaffen – statt „einfacher Werbung“, Aufklärung zu betreiben! Patient*innen werden so nicht nur aktiv bei ihrer Patient Journey unterstützt, viele kommen dank der gezielten Aufklärung von Healthcare-Professionals (HCPs) so erst zu ihrer Diagnose.

 

Mit Round Tables, Kongressen und Omni-Channel-Ansprache echten Mehrwert schaffen

Ganz klar, je seltener die Erkrankung, umso ‚schwieriger‘ ist es diese auch zu diagnostizieren. Denn oft fehlt es auch den Ärzt*innen an detaillierten Informationen. Verschiedene Spezialist*innen werden zurate gezogen, Zweitmeinungen eingeholt. Gezielte Schulungen der HCPs zum Thema Orphan Diseases sowie eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit wären daher nicht nur wünschenswert, sondern sind notwendig, um hier die richtigen Schlussfolgerungen aus seltenen Krankheitsbildern und ungewöhnlichen Symptomatiken zu ziehen! Abseits der klassischen, aber vor allem auch teuren PR- und Marketingmaßnahmen, können insbesondere Formate wie Round Tables, Kongresse oder andere Events bei der Aufklärung der HCPs helfen. Um einen echten Mehrwert zu generieren, sollten hierbei auch Patientenorganisationen oder die Zielgruppe selbst involviert werden. Derzeit fehlt es jedoch noch an den strukturellen Erleichterungen, um eben genau diesen Austausch – also zwischen Pharma, HCPs, aber auch Betroffenen – zu vereinfachen. Hier gilt es also im besten Fall eine Agentur mit ins Boot zu holen, um so spezifisch und nachhaltig auch ungewohnte Kanäle – wie eben beispielsweise einen digitalen Kongress – zu aktivieren. Wichtig dabei: Der Content sollte immer relevant und willkommen sein. Ob die Maßnahmen dann schlussendlich erfolgreich sind, sieht man erst, wenn dadurch Patient*innen mit bestimmten seltenen Erkrankung gefunden werden können.

 

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Nurse: PMP bei seltenen Erkrankungen

Patientenmanagement-Programme, kurz PMP, sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Insbesondere das letzte Jahr hat uns dabei gezeigt, dass man Patient*innen mit seltenen und auch chronischen Erkrankungen Hilfe zur Seite stellen muss, die über den klassischen Arztbesuch hinausgeht. Während der Pandemie, wo die Praxen überfüllt und auch der Empfang mit Fragen nur so überhäuft wurde und es auch immer noch werden, sind PMP also eine echte Unterstützung für alle Seiten! Denn nur allzu häufig stehen Patient*innen bei ungewohnten Nebenwirkungen oder der zeitweiligen Stagnation im Therapieverlauf erst einmal allein da. Schließlich ist es dabei egal, wie gut ein Medikament ist, ist die Therapie oder die Krankheit neu für Betroffene – wurde beispielsweise nach unzähligen Arztbesuchen nun endlich eine Diagnose gefunden, entstehen verständlicherweise viele Fragen. Diese können dank solcher Programme schnell und nachhaltig geklärt werden. Darüber hinaus spielt ein mögliches Nebenwirkungsmanagement gerade zu Beginn eine entscheidende Rolle für die Adhärenz und somit erfolgreiche Behandlung. Ein Patientenmanagement-Programm, in dem perfekt geschulte Nurses die Erkrankten bei ihrer Therapie beispielsweise am Telefon oder online begleiten, hilft dann in Momenten der Unsicherheit oder bei Fragen zur Anwendung oder der Krankheit im Allgemeinen. Das generelle Vertrauen in die Behandlung und das Selbstbewusstsein im Umgang mit der Erkrankung werden so gefördert. Mit eben dem Ergebnis, dass verordnete Therapien eingehalten und Medikamente ihre volle Wirkweise entfalten können.

In einem Gesundheitssystem, das jedoch nicht erst durch die aktuelle Lage überfordert, sondern auch durch Ärztemangel und Pflegenotstand geprägt ist, schließen Patientenmanagement-Programme so eine klaffende Lücke und müssen unbedingt in Versorgungsstrategien bedacht werden. Das haben mittlerweile zum Glück schon einige Pharmaunternehmen verstanden. Aufklärungsarbeit kann es dahingehend aber nicht genug geben. Denn natürlich gilt es hier auch Arzt und Ärztin abzuholen! Das Beste, was man als Pharmaunternehmen mit einem Patientenmanagement-Programm vor allem in den nächsten Jahren erreichen kann, ist, dass Ärzt*innen es als unabdingbare Ergänzung zur Therapie ansehen. Ein erfolgreiches PMP wird dann immer mit dem Medikament oder der Behandlung zusammen empfohlen. Unsicherheiten zu Wechselwirkungen, Dosierung oder ausbleibender Verbesserung, aber eben insbesondere auch zu alltäglichen Themen können direkt geklärt werden.

Mehr Infos zum spannenden Thema gibt es in unserem Livestream „inside good healthcare: Selten bei der Ärztin oder dem Arzt – awareness for rareness“.

 
Bildquelle Beitragsbild: istock.com/kazakovmaksim

Fazit

Seltene Erkrankungen benötigen die Aufmerksamkeit von vielen

Ganz klar, dem Thema der seltenen Erkrankungen und Orphan Drugs wird derzeit noch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die es bedürfte, um hier einen echten Unterschied für Patient*innen zu machen. Nichtsdestotrotz gibt es mittlerweile einige Pharmaunternehmen, die dahingehend ihre Kommunikation ausbauen und gezielt in der Ansprache der HCPs eine interdisziplinäre Aufklärung und Zusammenarbeit anstreben. Denn sind Ärzte oder Ärztinnen, aber auch Apotheker*innen und Co. erst einmal sensibilisiert bzw. werden bei einer bestimmten Kombination von Symptomen hellhörig und tauschen sich ggf. auch noch mit Kolleg*innen dazu aus, so kann schon beim wichtigen Erstkontakt die lebensverändernde Diagnose gestellt werden. Wichtig ist es danach jedoch Patient*innen nicht allein zu lassen. Geschulte Nurses bleiben dank Patientenmanagement-Programmen an der Seite der Erkrankten, erkundigen sich in regelmäßigen Abständen über den Verlauf bzw. das Befinden, klären Fragen und helfen so das Vertrauen in die Therapie zu stärken. Es gilt hier gemeinsam neue Kommunikationswege zu finden, um den Austausch anzuregen und Disease Awareness mittels echter und vor allem nachhaltiger Kampagnen zum Wohle der Patient*innen voranzutreiben!

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